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Gemeindebibliothek Peter Paul Rainer

Auf Antrag des Bibliotheksrates und nach dem positiven Gutachten von Seiten der dafür zuständigen Arbeitsgruppe hat der Gemeinderat am 22. Dezember 2008 einstimmig die Gemeindebibliothek nach Peter Paul Rainer benannt.

Der Dichter und Schriftsteller Peter Paul Rainer ist am 10. August 1885 in Innichen geboren und schrieb bis zu seinem Tod am 2. März 1938 in Reichenberg (heutige Tschechische Republik) zahlreiche Gedichte, Kurzgeschichten, Romane und Kinderbücher, wobei viele dieser Arbeiten Ausdruck seiner Heimatliebe waren.

Ein Grund für die Benennung der Gemeindebibliothek nach Peter Paul Rainer war die Tatsache, dass die Gemeinde von der Enkeltochter Margarita Schlüter den Nachlass von Peter Paul Rainer für die Bibliothek übertragen bekam. Da unsere Gemeindebibliothek heuer das 25-jährige Bestehen feiert, erschien es den Mitgliedern des Bibliothekrates angebracht, bei dieser Gelegenheit die Namensergänzung zu beantragen.

Viele Innichnerinnen und Innichner kennen zwar die Peter-Paul-Rainer-Straße und das Lederwarengeschäft „Peter-Paul-Rainer" (Geburtshaus), über das Leben und das literarische Werk unseres ehemaligen Mitbürgers wissen die meisten aber nicht Bescheid. Im Folgenden die Biographie von Peter Paul Rainer

Biographie von Peter Paul Franz Rainer

Peter Paul Franz Rainer wurde am 10. August 1885 als Sohn des Kaufmannes Peter Paul Rainer in Innichen geboren. Er war das Jüngste von neun Kindern. Drei Brüder waren bereits im Kindesalter gestorben, so dass Paul Rainer, wie er sich später nannte, neben fünf Töchtern der einzige Sohn des Ehepaares Rainer war.

Rainers Vater stammte aus Panzendorf in Osttirol und hatte 1862 das Haus Nr. 126 damaliger Ortseinteilung in Innichen, das damals noch als „Cornet-Haus" bezeichnet wurde, von Joseph Kopfsguter erworben. Bald aber bürgerte sich dafür der Hausname „Paulrainer" ein.

Peter Paul Rainer senior machte aus dem ursprünglichen Krämerladen ein blühendes Gemischtwarengeschäft. Seine Frau war die aus Toblach stammende Zäzilia Kugler. Rainer scheint zu ihr ein ganz besonders herzliches und inniges Verhältnis gehabt zu haben, was man aus einigen seiner Erzählungen herauslesen kann.

Seine Kindheit verlief, wie aus seinen Erinnerungen in „Unterm Haunold" hervorgeht, glücklich und unbeschwert. Er wurde von seinen Schwestern verwöhnt und von der „Kinds-Nanne" Anna Kugler beaufsichtigt, die vermutlich eine Schwester seiner Mutter war und der er in der Erzählung „Die Kindsdirn" ein Denkmal setzte.

Paul Rainer erwies sich bald als talentierter Schüler, so dass der Pfarrer und der Lehrer seinen Eltern rieten, ihren Sohn studieren zu lassen. Er kam an das humanistische Gymnasium „Stella Matutina" in Feldkirch (Vorarlberg), das für seine hervorragenden Lehrer berühmt war.

Trotz des Wunsches des Vaters, er solle Kaufmann werden, und dem der Mutter, die ihn schon als Geistlichen sah, studierte Paul Rainer nach bestandener Matura ab 1904 in Innsbruck Germanistik und ab 1907 in Wien Germanistik und klassische Philologie. Über den Studenten Paul Rainer schrieb die „Neueste Zeitung" anlässlich seines fünfzigsten Geburtstages 1935: „Wer seinerzeit an der Innsbrucker Hochschule den flotten Studenten kannte, der damals besonders mit seiner lyrischen Tenorstimme, aber auch mit seinen schwungvollen Gelegenheitsgedichten alle Hörer bezauberte, der konnte ihm auch einen weiteren Erfolg seines Lebenswerkes prophezeien."

In den Ferien, die Rainer immer zu Hause in Innichen verbrachte, machte er bald durch seine Wortgewandtheit und seinen Witz auf sich aufmerksam. Er trat unter anderem auch als Festredner am Geburtstag des Kaisers Franz Joseph am 18. August auf, der in dem damals schon  bedeutenden Fremdenverkehrsort Innichen alljährlich mit Fackelzügen und Serenaden gefeiert wurde. Rainer spielte hier auch Theater und durchwanderte mit anderen Studenten der Ortschaft die Sextner Dolomiten

Im Jahre 1911 promovierte Rainer dann zum Doktor der Philologie und war anfangs aushilfsweise als Mittelschullehrer in Wien beschäftigt. 1913 bekam er eine Supplentenstelle am Staatsgymnasium in Znaim. Über die Zeit nach dem Hochschulabschluss schrieb Rainer in seiner Erzählung „Der heilige Nepomuk": „Aber die Jahre vergingen. Und nach der Universität, da stand ich auf einmal da, ausgelernt, unheimlich gescheit, aber die Welt lachte über meine Weisheit und im Ministerium hieß es: 'Es ist weit und breit keine Stelle frei.' 'Da hast du es!', dachte ich mir und beneidete den Schönegger Hans, der im Bauernstand geblieben war und dick und breit auf seinem Hofe am Innichberg saß, oder das Huter Poldele, das in einem Riesenhause herrschte und das halbe Pustertal mit Hüten versorgte. Es war eine böse Zeit. Wirkliche Not. Endlich erfuhr ich eines Tages, dass ich ins Böhmische versetzt sei, nach Reichenberg."

Ab 1914 unterrichtete Rainer am staatlichen Realgymnasium in Reichenberg im heutigen Tschechien, wobei er sich in dieser Stadt bald eingelebt zu haben scheint: „.... ich stieg in Reichenberg aus und sah, dass mich das Schicksal in eine recht liebe, freundliche Stadt verschlagen hatte." (aus: „Der heilige Nepomuk")

Bedingt durch sein Wesen und seine Art - seine guten Umgangsformen, seine Musikalität und Wortgewandtheit - verkehrte Rainer nicht nur unter seinesgleichen, sondern fand auch Einlass in die gehobene Gesellschaft. Er heiratete am 8. August 1914 in Kitzbühel die fünfundzwanzigjährige Tochter des Senatspräsidenten Dr. Heinrich Freiherr von Reissig, Emma Hedwig Reissig, die aus Brünn stammte und in Wien lebte. Aus der Ehe gingen drei Töchter hervor: Maria, Ilse und Erika. Wie aus seiner Erzählung „Heimweh" hervorgeht, erzählte Rainer vor allem seiner ältesten Tochter viel von seiner Heimat  und sprach mit ihr in Pustertaler Mundart. Er nahm sie auch mit nach Innichen, um ihr all das zu zeigen, wovon er ihr so oft erzählt hatte.

In Reichenberg hatte Rainer bald beruflich Erfolg: Er wurde Direktor des städtischen Mädchen-Reformrealgymnasiums.

Im Jahre 1915, ein Jahr nach Ausbruch des Ersten Weltkrieges, kamen Flüchtlinge aus Buchenstein nach Reichenberg, deren Heimatort in den direkten Frontabschnitt geraten war. Das Ehepaar Rainer nahm sich ihrer an und besorgte ihnen Unterkunft und Verpflegung. Als die Flüchtlinge 1917 mit einem Sonderzug dann wieder heimkehren konnten, wurden sie von Paul Rainer begleitet, der für sie als Abschiedsgruß folgendes Gedicht verfasst hatte:

Zum Abschied

   Die Heimat winkt! Schließt auf die Herzen!
   Es lacht die Welt voll Sonnenschein.
   Die Glocken von den Türmen läuten
   „Willkommen" eure Heimkehr ein!
   
   Doch wenn auch jetzt mit goldnem Strahle
   Die Sonne durch die Wolken bricht,
   In allem Heimatglühn und Leuchten
   Vergeßt uns, eure Freunde, nicht.

   Und wenn dann längst aus euren Herzen
   Die Sorge und das Leid entschwand:
   Dann denkt an eure Kriegesheimat,
   Ans schöne, blum'ge Jeschkenland!


Im Herbst 1918 war der Erste Weltkrieg zu Ende. Im Friedensvertrag von Saint Germain sprachen die Siegermächte Südtirol endgültig Italien zu. Am 10. Oktober 1920 annektierte Italien dann Südtirol offiziell. Diese Tatsache traf den seiner Heimat sehr verbundenen Rainer besonders schwer und rief in ihm eine tiefe Enttäuschung hervor, die man unter anderem seinem Gedichtband „Tirol" entnehmen kann.

In diesem Jahr fand auch die glückliche Zweisamkeit des Ehepaares Rainer ihr Ende. Nach nur sechsjähriger Ehe erlag Rainers Frau Emma am 29. Oktober 1920 im Alter von einunddreißig Jahren einem schweren Lungenleiden. Er blieb mit seinen drei Töchtern alleine zurück, von denen die Jüngste knapp eineinhalb Jahre alt war. Seine verwitwete Schwester Paula kam aus Innichen nach Reichenberg, um ihm beizustehen. Sie half ihm dann einige Jahre bei der Kindererziehung. Auch die Schwester seiner Frau, eine Ärztin, kam Rainer zu Hilfe und nahm die dreijährige Ilse mit nach Wien, wo sie dann auch aufwuchs. Sie sah ihren Vater nur noch dreimal.

Rainer scheint nach dem Tode seiner Frau Trost im Schreiben gesucht zu haben, denn mit Ausnahme von „Meinem Probekandidaten" (1919) begann die Veröffentlichung seiner selbständig erschienen Werke im Jahre 1920, dem Todesjahr seiner Frau. Interessant ist, dass Rainer seine schriftstellerische Tätigkeit mit Erinnerungen an seine Heimat begann, ab 1927 aber fast ausschließlich  Kinderbücher schrieb. Neben selbstständigen Veröffentlichungen erschienen von ihm auch noch Erzählungen und Gedichte in „Reimmichls Volkskalender", im „St. Kassian-Kalender", im „Schlern", in den „Dolomiten", im „Volksboten", in den  „Innsbrucker Nachrichten", im „Südtiroler" und in der „Reichenberger Zeitung". Außerdem war er als Rezensent im „Schlern" und als Theaterkritiker in der „Reichenberger Zeitung" tätig.

Am 2. März 1938 erlag Rainer auf dem Weg von der Schule in seine Wohnung einem Herzschlag. Von seinem Tod wurde in Rainers Heimat Südtirol in verschiedenen Zeitungen, Zeitschriften und Kalendern Bericht erstattet. Doch bald schon geriet Rainer in Vergessenheit. In Innichen wurde die Straße, in der sein Elternhaus steht, nach ihm benannt und dort eine Gedenktafel angebracht.

Lisbeth Holzer