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Der ewige Jude muss bekanntlich, nach uralter Überlieferung, dreimal ohne Rast und Ruhe die ganze Welt bereisen. Dazu verurteilte ihn der kreuztragende Heiland. Als er nämlich todmüde und am ganzen Leibe zitternd an des Schusters Haus in Jerusalem vorbeikam und dort, auf einer kleinen Bank, nur ein paar Augenblicke ausschnaufen wollte, wies ihn der herzlose Ahasver grob vom Platze. Sein unmenschliches Verhalten wurde ihm jedoch zum Verhängnis. Schon zweimal hat der umgehende Jude bei seiner Weltwanderung den Vinschgau durchschritten. Von einer Begegnung mit ihm erzählt man sich auf der Töll, in Morter und in Mals. Im Vinschgauer Oberland, heißt es, habe er das erste Mal die Gegend versumpft und mit wildem Gestrüpp überwuchert vorgefunden. Das zweite Mal entdeckte er sie als kleines Paradies wieder, was Reschen und Graun, vor der Seestauung, in den Sommermonaten landschaftlich auch tatsächlich waren. Beim dritten und letzten Durchmarsch wird Ahasver wieder nur Sumpf und See finden. Dann kommt bald hernach der Weltuntergang. Eine ähnliche Prophezeiung finden wir überdies in Tschars und Staben. Bei seinem dritten Rundgang wird der umgehende Schuster dort vorüberkommen, um nachzusehen, ob die „Maleawand“, eine Felswand oberhalb Tschars, noch steht, und das Brünnl in der „Laug“ oberhalb Staben noch fließt. Die am kahlen, dürren Berghang entspringende Quelle tränkt selbstlos das von ihr durchflossene Erdreich und erzeugt dadurch eine auffallend grüne Stelle inmitten des sonnverbrannten Berghanges. Wenn aber die Wand nicht mehr steht und das Brünnl nicht mehr geht, ist das ein sicheres Zeichen vom nahen Weltende.

(Quelle: Winkler Robert, Sagen aus dem Vinschgau, Athesia)

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