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Rund zweieinhalb Gehstunden vom Dorf Tschars entfernt liegt, auf einem breiten Bergrücken zwischen Schlums und Frieglbach, die „Marzauner Alm“. Hier stand ehemals ein großer Bauernhof. Von einem Bauer dieses Anwesens erzählen sich die Leute in der Umgebung von Tschars seltsame Dinge. Die einen sagen, dieser „Marzauner“ sei ein Hexenmeister gewesen, die anderen behaupten wieder, er habe ein heiligmäßiges Leben geführt und habe deshalb gar manche Vorrechte genossen. Der fromme Bauer erhob sich jeden Sonntag und Feiertag in aller Herrgottsfrüh, um rechtzeitig in die Frühmesse nach Tschars zu kommen, die schon um fünf Uhr begann. In der Adventszeit versäumte er keine „Rorate“, trotz es weiten und oft tiefverschneiten Weges. Da geschah es, dass die Etsch in einem regenreichen Herbst alle Brücken zwischen Kastelbell und Naturns mit ihren reißenden Fluten davongetragen hatte. Als nun der Marzauner am frühen Morgen sich eiligen Schrittes der Etsch näherte und sie über dem schmalen Tscharser Steg überqueren wollte, fand er diesen nicht mehr vor. Traurig stand er da und schaute verzagt nach Tschars hinauf, wo es gerade zur Frühmesse läutete. Er hob die Hände zum Gebet, und siehe da: Ein Wunder geschah! Die Wellen der hochgehenden Etsch teilten und stauten sich, so dass der Marzauner trockenen Fußes das andere Ufer erreichen konnte. Von diesem Tage an ereignete sich das Wunder an der Etsch immer wieder, sooft der fromme Bauer den Fluss überqueren wollte, um in die Frühmesse oder um „Goldenen Amt“ nach Tschars zu gelangen. Einmal sah nun der fromme Marzauner während des Gottesdienstes den Teufel hinter dem Hochaltar die Sünden der Tscharser auf einer Kuhhaut aufzeichnen. Da diese jedoch bald ganz voll beschrieben war, versuchte sie Satan unter großen Anstrengungen und fürchterlichen Grimassen schneidend, mit seinen Geißfüßen zu strecken. Plötzlich entglitt sie ihm und rollte sich im Nu auf. Darüber musste der fromme Mann herzlich lachen. Als er nach dem „Goldenen Amt“ wieder die Etsch in der gewohnten Weise überqueren wollte, teilten sich die Fluten nicht mehr. Voll Trauer und Reue über sein Versagen kehrte der Bauer auf großen Umwegen auf seinen entlegenen Hof zurück. Dort führte er fortan ein überaus strenges Büßerleben. Er kniete tagtäglich auf einem Felsen neben seinem Hause und betete den Rosenkranz. Im Dorfe aber wurde er nicht mehr gesehen. Auf der Marzauner Alm kann man heute noch auf einem Felsen die Spuren seiner Knie und der Perlen des von ihm verwendeten Rosenkranzes erkennen.

(Quelle: Winkler Robert, Sagen aus dem Vinschgau, Athesia)
 

Schützen Tschars
Schützen Tschars

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